Kulturabend mit Franz Brandt und Johannes Flamm

Über „intelligente Kunst“ und kuriose Liebschaften von Bach bis Gershwin

Zu Beginn hörten wir eine Eigenkomposition von Franz Brandt, einen sogenannten Ohrwurm.

Die kompositionellen Merkmale eines Ohrwurms sind einfache, kleine Intervalle, Dabei liegen die Töne nah beieinander, was das Nachsingen im Kopf massiv erleichtert.

Die sogenannte „Schleifenfähigkeit“, der Übergang vom Ende einer Melodiephase zurück zum Anfang, ist harmonisch so fließend , dass das Gehirn automatisch im Kreis läuft, sowie das Hookline-Prinzip & Riffs. Ein markantes, kurzes Motiv (oft nur 3 bis 4 Töne), das sich rhythmisch prägnant wiederholt und sofort wiedererkannt wird.

Ein weiteres Beispiel folgte: „One Note Samba“. Eine Melodie die nur aus einem einzigen Ton besteht und trotzdem sehr eingängig ist.

Das B-A-C-H-Motiv ist eine der berühmtesten Tonfolgen der Musikgeschichte. Es handelt sich um ein musikalisches Anagramm, bei dem Johann Sebastian Bach seinen Nachnamen in Tönen ausdrückte. Die bekanntesten Ohrwürmer Johann Sebastian Bachs mit sofortigem Wiedererkennungswert ist die Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 565), das dramatische, kraftvolle Orgelstück ist das berühmteste Werk des Komponisten. Das Komponieren mit Buchstaben aus vorhandenen Namen haben weitere berühmte Komponisten fortgesetzt, darunter Beethoven mit dem Stadtnamen „Aschaffenburg“, der immerhin 10 geeignete Buchstaben hergibt.

Johannes Flamm intonierte speziell für uns nach diesem Motiv ein Stück über „BADAACHE“, das 2012 im Quadrum des hohen Doms zu Aachen uraufgeführt wurde.

Ludwig van Beethoven, der Sebastian Bach sehr schätzte nannte ihn einmal den „Urvater der Harmonie“ und meinte man sollte seinen Nachnamen lieber in Ozean ersetzen. In der Romanik wurde das berühmteste musikalische Monogramm der Musikgeschichte von Franz Liszt, Robert Schuman und Max Reger wiederentdeckt. 

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kam Arnold Schönberg auf die Idee der sogenannten 12 Ton Technik. Hierbei kommen in einer Melodie alle 12 Töne der chromatischen Tonleiter zur Geltung. In der extremen Form jeder Ton nur einmal. Auch hier spielten beide als Beispiel eine Eigenkomposition aus den 70er Jahren, wo Franz Brandt in der Rockformation „Tortilla Flat“ aktiv war. „Fly in The Blue Sky“. Anschließend wurde ein Stück des französischen Komponisten Gabriel Faure’ gespielt. „Sicilienne“.

Schließlich kam das berühmte Stück von Gershwin „Rhapsodie in Blue“ zu Gehör, welches aus dem immer 12taktigen „Blues Feeling“ besteht. Zum Blues Feeling sagte der Jazztrompeter Dizzy Gillespie, dass man das nicht erklären oder lernen könne, das müsste man im „A…..“ haben. George Gershwins Rhapsody in Blue wurde von Johannes Flamm mit seiner Klarinette  brillant, mit meisterhafter technischer und künstlerischer Beherrschung hervorragend vorgetragen.

Franz Brandt erklärte alles spannend, humorvoll und erfrischend. Begleitet wurde er immer wieder von einem grandiosen Virtuosen, der 3 Instrumente meisterhaft beherrschte, Johannes Flamm.

Nach der Pause ging es um Liebe, Leidenschaft und Ameröllchen aus der Welt der Musik. Das Liebesleben der drei großen Wiener Klassiker (beziehungsweise des Barockmeisters Bach) unterscheidet sich drastisch. Während Johann Sebastian Bach ein bürgerliches und von Treue geprägtes Eheleben führte, pflegte Wolfgang Amadeus Mozart einen spielerischen, teils skandalösen Umgang mit der Liebe. Ludwig van Beethoven hingegen erlebte ein Leben voller unerwiderter, tragischer Leidenschaften und hinterließ das größte Rätsel der Musikgeschichte.

George Gershwin war zeitlebens ein begehrter Junggeselle, der zahlreiche Liebeleien und Affären mit namhaften Frauen seiner Zeit pflegte, jedoch nie verheiratet war. Seine Beziehungen waren intensiv, aber oft von seiner kompromisslosen Hingabe an die Musik überschattet. Frédéric Chopins Liebesleben galt lange als Reihe von Affären mit Frauen. Als Beispiel seine Reise nach Mallorca mit der Schriftstellerin George Sand sowie Edgar Elgars Beziehung zu einer Schülerin.

Hier kamen als musikalische Beispiele Beethoven’s „Freude schöner Götterfunke“, Edgar’s „Salut d’ Amour“ und Tschaikowsky’s „Barcarolle“, meisterhaft von Johannes Flamm begleitet zu Gehör.

Zum Abschluss spielten sie ein Stück aus jüdischen Federn, nämlich „Bei mir bist du schön“ aus dem im Jahre 1932 geschriebenen Musical: „Man könnte leben, aber sie lassen uns nicht“.

Das Publikum bedankte sich mit einem sehr lang anhaltendem Beifall.

Herbert Steins mit Unterstützung von Franz Brandt